Es ist Montagmorgen, kurz vor 8 Uhr. Anstatt jetzt bereits zwei Stunden wach zu sein und mit dem Auto, dem Zug und der Straßenbahn zur Berufsschule Lyceé Turenne in Freiburg zu pendeln, sitze ich allein zuhause an meinem Schreibtisch und logge mich ins erste Zoom Meeting für heute ein. Was bis vor wenigen Monaten noch unvorstellbar war, ist heute aufgrund von Corona schon fast zum Alltag für viele Schüler geworden – Homeschooling. Doch so einfach wie es sich anhört, ist der Unterricht im digitalen Klassenzimmer gar nicht.

Im Jahr 2021 sollte man eigentlich davon ausgehen können, dass der Online-Unterricht kein Problem darstellt, denn die notwendigen technischen Geräte und gutes Internet sollte schließlich jeder haben – oder? Doch bereits in den ersten Tagen merkte man, dass dem (leider) nicht so ist. Schon das erste Zoom-Meeting scheiterte an der schlechten Internetverbindung. Anstatt der üblichen 29 Schüler, konnten mit Müh und Not gerade einmal fünf Schüler pünktlich um 8 Uhr in den digitalen Klassenraum kommen, da, wie fast überall, die Internetleitungen und die Systeme zusammengebrochen waren. Der Unterrichtsbeginn verschob sich aufgrunddessen um fast eine Stunde nach hinten, bis alles annähernd stabil funktionierte und wir zumindest einigermaßen vollzählig anwesend waren. Hierbei machte ich die Entdeckung, dass mein kleines Dorf wohl doch nicht über das schlechteste Internet Südbadens verfügt. Nachdem wir diese erste Hürde genommen hatten, konnten wir besprechen, wie der digitale Unterricht in den nächsten drei Wochen ablaufen würde. Bereits in den ersten Wochen merkte man, dass die Vorstellung, der digitale Unterricht könnte einen richtigen Präsenzunterricht ersetzen, doch eher Wunschdenken als Realität war. Denn immer wieder mussten sowohl Schüler, als auch Lehrer unfreiwillig die Sitzung vorübergehend wegen mangelnder Internetverbindungen oder aufgrund überlasteter Programme verlassen. Auch eine gute mündliche Mitarbeit gestaltete sich schwierig, da immer wieder entweder der Ton oder das Bild weg waren oder die Verbindung ruckelte. Teilweise war es auch schwierig, dem Unterricht aufgrund der zeitlichen Verzögerung zu folgen. Aber mit der Zeit lernte man mit diesen Problemen umzugehen. Jedoch lässt sich rückwirkend sagen, dass, auch wenn im Laufe der Zeit die Internetverbindungen und Server besser wurden, leider keine einzige Unterrichtsstunde ohne technische Störungen oder Probleme verging.

Aber kommen wir zum Positiven, denn es war auch nicht alles schlecht und das Homeschooling hat auch seine Vorteile. Zum einen sparte man sich naürlich den Anfahrtsweg zur Berufsschule nach Freiburg sowie den ein oder anderen verpassten Zug, was sehr angenehm war. Zum anderen hatte es den Vorteil, dass wenn ich aufgrund schlechter Tonübertragung etwas nicht richtg verstanden hatte, jemand anderes diesen Part vielleicht gut verstanden hatte und somit konnten wir uns immer gut untereinander ergänzen und uns gegenseitig helfen. Und auch der Austausch und die Kommunikation in unserer Klassen-Whatsapp-Gruppe war aktiver als sonst. Trotz digitalen Unterrichts sind wir sehr gut mit dem Unterrichtsstoff durchgekommen und hatten auch aus der Distanz sehr viel Kontakt zu unseren Klassenkameraden.

Im Rückblick auf den letzten Berufsschulblock haben wir trotz aller Schwierigkeiten viel gelernt und mitgenommen. Vor allem oder gerade durch das viele Erklären sowie den Austausch mit der restlichen Klasse und der selbstständigen Erarbeitung von Themengebieten. Dennoch kann der digitale Unterricht meiner Meinung nach nicht mit dem normalen Unterricht mithalten oder diesen gar ersetzen. Wir sind daher alle froh, wenn die Krise endlich ein Ende hat und wir wieder normal die Berufsschule in Freiburg besuchen dürfen.

Alina Zarling
geschrieben von Alina Zarling

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